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Erstes Patent auf Züchtung des Menschen erteilt.
Europäisches Patentamt bricht Tabu


Greenpeace Presseerklärung
21.2.2000

Autor:
Greenpeace
Hamburg, 21. 2. 2000. Nach Recherchen der Umweltorganisation Greenpeace hat das Europaeische Patentamt (EPA) in Muenchen im vergangenen Dezember ein Patent auf gentechnisch manipulierte Embryonen erteilt.

Das Patent mit der Nummer EP 695 351 sichert dem Patentinhaber die Rechte auf die Entnahme von Zellen aus menschlichen Embryonen, auf die gentechnische Manipulation dieser Zellen und auf die Herstellung gentechnisch veraenderter Embryonen. Damit ist automatisch nicht nur das Verfahren zur Genmanipulation der so genannten Keimbahn patentiert, sondern auch das "Produkt" dieses Eingriffs, der genmanipulierte Mensch selbst.

"Die Entscheidung des EPA ist ein beispielloser Tabubruch. Damit ist der im Labor produzierte und patentierte Mensch deutlich naeher gerueckt", sagt Dr. Christoph Then, Gentechnik-Experte bei Greenpeace. Das Patentamt verstoesst mit der Erteilung des Patents unter anderem gegen die Europaeische Patentrichtlinie. Darin wird die Patentierung von "Verfahren zur Veraenderung der genetischen Identitaet der Keimbahn des menschlichen Lebewesens" sowie die Patentierung der "Verwendung von menschlichen Embryonen zu industriellen oder kommerziellen Zwecken" ausdruecklich verboten.

Eingriffe in die Keimbahn zeichnen sich dadurch aus, dass die manipulierten Eigenschaften auch an nachfolgende Generationen vererbt werden. Das Patent wurde erteilt, obwohl die Genmanipulation von menschlichen Embryonen verboten ist. Die Universitaet Edinburgh hat das Verfahren bisher nur an Maeusen erprobt. "Was sich die Firmen patentieren lassen, wollen sie auch realisieren und vermarkten", sagt Dr. Then. "Dieses Patent ist nur die Spitze des Eisberges. Laengst hat das Patentamt bei der Patentierung von Pflanzen und Tieren, von menschlichen Genen und Teilen des menschlichen Koerpers den gesetzlichen Rahmen ueberschritten. Die vorgeschriebenen ethischen Grenzen spielen keine Rolle mehr."

Hinter der Universitaet von Edinburgh als Patentinhaber steht die australische Firma Stem Cell Sciences (SCS), die einen Exklusiv-Vertrag mit der Hochschule geschlossen hat. SCS arbeitet vor allem an der Zuechtung von menschlichen Stammzellen. Diese Zellen koennen gentechnisch veraendert und zur Zuechtung von Organen oder auch menschlicher Embryonen verwendet werden. SCS arbeitet eng mit der US-Firma BioTransplant zusammen, die wiederum eine intensive Kooperation mit dem Gen-Konzern Novartis unterhaelt. Das EPA hat ein handfestes finanzielles Interesse an der Vergabe solcher Gen-Patente. Das Amt finanziert sich ausschliesslich ueber Patentgebuehren. 1998 betrugen die Einnahmen 1,3 Milliarden DM.

Greenpeace fordert die Ruecknahme des Keimbahn-Patentes und wirbt Unterstuetzer fuer einen Sammeleinspruch. "Wir hoffen, dass insbesondere Kirchen, Wissenschaftler und Politiker unseren Einspruch unterstuetzen werden", so Christoph Then.

An dem Sammeleinspruch koennen Sie sich auf via Internet beteiligen.
http://www.greenpeace.de/gentechnik